Paul-Klee-Gymnasium Overath

Q1-Projektkurs 2016 „Wenn aus Zahlen Schicksale werden…“

„Wenn aus Zahlen Schicksale werden…“ - Studienfahrt des Projektkurses der Q1
des Paul-Klee-Gymnasiums nach Auschwitz / Krakau

Im Rahmen des Projektkurses „Wenn aus Zahlen Schicksale werden…“ fuhren wir, 15 SchülerInnen der Jahrgangsstufe Q1 des Paul-Klee-Gymnasiums, vom 16.01. – 23.01.2016 nach Oswiecim und Krakau. Unsere Fahrt wurde finanziell von der Bethe-Stiftung, dem Lions Club Overath und der Kreissparkasse Köln unterstützt.
Nach einer viermonatigen Vorbereitungszeit über das Konzentrationslager Auschwitz in der Schule konnten wir uns vor Ort mit dem Holocaust, dem Schicksal der Opfer und der Perspektive der Täter auseinandersetzen.
Am ersten Tag in Oswiecim besuchten wir morgens das Stammlager des KZ Auschwitz. 

Der erste Eindruck, den man vom Konzentrationslager erhielt, war für uns irritierend. Die Ziegelbauten wirkten wie eine sehr ordentlich angelegte Siedlung, die Sonne schien, es war kalt. Nach intensiver Vorbereitung auf diese Reise und diesen Ort hätte man doch erwartet, dass die schrecklichen Dinge, die dort vor 73 Jahren vor sich gingen, noch präsenter sein würden, als es auf den ersten Blick scheint.

Während uns der Guide etwas über die Geschichte des KZ erzählte, gingen wir durch die verschiedenen Ausstellungen, die die verschiedenen Abschnitte der Ankunft in das Lager und das Leben im Lager selbst darstellten, falls man in einer solchen Situation noch von Leben sprechen kann. Wir sahen Fotografien von den Deportationen, Selektionen, auch Aufnahmen von Menschen, die in die Gaskammern gingen, welche heimlich vom Sonderkommando gemacht wurden. In einem Raum befand sich ein Modell der Gaskammern mit Krematorien, daneben ein Haufen geöffneter Dosen mit der Aufschrift „Zyklon B“.
Im nächsten Raum, der jedem Menschen die grausamen Dinge vor Augen führte, die damals geschahen, sah man einen riesigen Haufen Menschenhaar. Zöpfe, offene Haare, graue Haare, braune Haare, kurze Haare, lange Haare. Und daneben Stoff, gewoben aus dem Haar der Menschen, die damals unter solch unbeschreiblichen Umständen ums Leben kamen. Nach dem Ende dieser Führung besprachen wir lange und intensiv unsere Eindrücke des Besuchs.
Am nächsten Tag machten wir eine weitere Führung durch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Eine riesige Fläche umzäunt mit Stacheldraht empfing uns. Wir stiegen auf den Hauptwachturm des Lagers. 

Wohin das Auge reichte, sahen wir Baracken und deren Überreste. Ganz rechts konnte man Bäume erahnen, dahinter sollte eine Lagererweiterung stattfinden, zu der es zu unser aller Glück nicht mehr gekommen ist.

Wir gingen durch Baracken, die ursprünglich als Pferdeställe gedacht waren, konnten uns nur schwer vorstellen, wie viele Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen dort leben mussten. Danach schauten wir uns die Kinderbaracke, Block 16a, an.
Dort befanden sich von den Häftlingen gemalte Bilder an den Wänden, welche das Leben von Kindern darstellten. Es war kaum begreifbar, wie hier Kinder bis zu 14 Jahren lebten; teilweise ohne Eltern, ohne Freunde. Unser Weg führte uns weiter zu der „Rampe“, wo die Opfer nach Geschlechtern getrennt und „selektiert“ wurden. Ein Originalwaggon aus dieser Zeit erinnerte an das unfassbare Geschehen. Unsere Führung brachte uns weiter zu den Ruinen der Krematorien und dem Internationalen Denkmals für die Opfer des Faschismus.

Nach dem Besuch beider Lager verarbeiteten wir unsere Eindrücke aus den beiden Vormittagen kreativ in einem Workshop, der in der Internationalen Begegnungsstätte Oswiecim stattfand.

Ein weiterer, beeindruckender Programmpunkt unserer Fahrt war ein Zeitzeugengespräch mit einem 89-jährigen Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Herr Waclaw Dlugoborski kämpfte im polnischen Widerstand, wurde von der Gestapo verhaftet und kam mit 16 Jahren nach Auschwitz-Birkenau. Nach 1,5 Jahren konnten er und ein Mithäftling sich während der Lagerauflösung mit einer List aus dem Lager „schleichen“. Ergriffen verfolgten wir seine Geschichte und sprachlos wurden wir vor allem, als Herr Dlugoborski uns die Tätowierung seiner Häftlingsnummer zeigte.

Da die Geschichte des Konzentrationslager Auschwitz mit der Geschichte der Stadt Oswiecim eng zusammenhing, haben wir uns weiter mit der Geschichte der Stadt beschäftigt. Wir besuchten das jüdische Zentrum und die Synagoge. Dort konnten wir vor allem die Lebensgeschichten der jüdischen Einwohner Oswiecims vor der national-sozialistischen Zeit nachempfinden.

Nach der nachdenklichen und arbeitsintensiven Zeit in Oswiecim fuhren wir für zwei Tage nach Krakau. Dort haben wir uns in einer Stadtführung das jüdische Viertel, die Altstadt und die beeindruckende Wawelburg angeschaut. Da es kalt war und immer wieder schneite, erschien die Stadt ruhig und schon fast märchenhaft. Den Abschluss unseres Programms bildete der Besuch der Emaillefabrik von Oskar Schindler, wo wir die Geschichte Krakaus während des 2. Weltkriegs kennenlernten. Auch hier begegneten uns individuelle Schicksale, die stellvertretend für viele polnische und jüdische Einwohner waren.

Insgesamt hat uns diese Reise in die Vergangenheit gezeigt, dass wir alle die Verantwortung dafür tragen, dass so etwas niemals wieder geschieht, und Auschwitz ein Mahnmal ist, um uns immer daran zu erinnern.