Paul-Klee-Gymnasium Overath

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14.02.2019 Kategorie: Bericht

Der Q1-Geschichts-Projektkurs besucht Auschwitz vom 20. bis 26. Januar 2019 - Eine Reise mit großen Emotionen in die "Deutsche Geschichte"

Birkenau

Gruppe mit Zeitzeugin

Stammlager

Dass sich die Geschichte nicht wiederhole…

Overath – Leid, Trauer und das Gefühl der Beklemmung, das einem auf der Seele liegt wie ein Stein, verstärkt durch die Hilflosigkeit, die man empfindet, wenn man dem  Grauen in die Augen blickt. Das sind alles Emotionen, die uns auf unserer Fahrt in die Gedenkstätte Auschwitz begleitet haben. Im Rahmen zweier Projektkurse „Gegen das Vergessen“ des Paul-Klee-Gymnasiums Overath, haben wir, 25 Schülerinnen und Schüler der Q1, die Möglichkeit erhalten, den Ort, der durch so viel Leid, so viele Geschichten und die Abgründe der Menschheit geprägt ist, zu besuchen.

Eine Erfahrung, die von Anfang an geprägt war von intensiven Emotionen, die uns während unserer Reise durch die drei Teillager Auschwitz nicht mehr von der Seite zu weichen schienen. Unsere Reise, die im Zeitraum vom 20.1 bis zum 26.01.2019 stattfand, enthielt verschiedene Zwischenstopps in einer Geschichte, die schier unverständlich scheint. Der erste davon war unser Besuch des Stammlagers des Museums Auschwitz-Birkenau. In Form einer Führung konnten wir unsere Eindrücke, die wir bereits aus unserer langen Vorarbeit im Unterricht hatten, mit Bildern und weiteren Informationen verknüpfen. Es entstand eine gewisse Distanz zu diesem leidvollen Ort, denn er war geprägt von Leben. Gefüllt mit Menschen, die gewillt waren, sich mit der Geschichte dieses Ortes zu beschäftigen; Touristen, die ihre Kinder mitbrachten, zwischendurch hörte man ein Lachen durch die Lagerstraßen hallen oder einen Vogel zwitschern. Der Ort verlor durch seinen Museumscharakter und sein reges Treiben an Furcht und die Vergangenheit, die ihm innewohnte, schien fern.

Dieses Empfinden änderte sich jedoch schlagartig, als sich am nächsten Tag ein Tor vor uns öffnete und uns Einlass gewährte zu einem Ort, der  Millionen Menschen das Leben gekostet hatte: das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau. Es erstreckte sich eine weite, scheinbar unendliche Landschaft vor uns, gefüllt mit Überresten der damaligen Baracken. Das riesige Gelände erkundeten wir in Begleitung eines Guides des Museums. Wir erhielten viele Informationen, hörten Geschichten über Einzelschicksale und konnten uns so einen anderen Zugang zu der Geschichte schaffen.
In Reflexionsphasen im Anschluss an die Führungen über das Gelände Auschwitz-Birkenau konnten wir uns mit unseren Mitschülerinnen und -schülern austauschen. Das Reden über das Erlebte half uns allen, die Eindrücke zu erfassen und zu verarbeiten. Die Atmosphäre in unserer Gruppe war, trotz der beklemmenden Thematik, sehr angenehm.

Ein weiterer Programmpunkt war eine Stadtführung durch den Ort Oswiecim, ehemals Auschwitz. Wir versuchten, den Ort mit positiven Erinnerungen zu behaften, denn er hat sich weiterentwickelt, ist ein neuer Ort, an dem Menschen ihr Leben verbringen. Dies wurde uns gerade bei der Stadtführung, die uns durch die Geschichte von Oswiecim führte, bewusst. Die Stadt hat viele Facetten und nicht alle davon sind dunkel. Auch unsere Führung über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Monowitz zeigte, dass das Leben hier weiter geht. Leute sind hier sesshaft geworden, haben den Ort neu geprägt und es ist ein Dorf entstanden, mit Häusern, Gärten und Familien. Nur einzelne Stehbunker und ein Denkmal zeugen von der dunkeln Vergangenheit.

Die letzten Tage hatten wir immer mal wieder Zeit zur Verfügung, die wir nutzen konnten, um an unseren individuellen Projekten zu arbeiten. Wir beschäftigen uns mit  Personen, die in Auschwitz inhaftiert waren und es geschafft hatten, dort nicht nur zu überleben, sondern auch Menschen zu retten. Wir suchten nach den Spuren „unserer Personen“ in dem Stammlager und in dem Vernichtungslager Birkenau und sammelten Informationen, die uns in unserer weiteren Projektarbeit begleiten werden.

Der Abschluss der Reise führte uns nach Krakau, wo wir die Zeitzeugin Lidia Maksymowicz kennen lernten, die uns an ihrer Geschichte teilhaben ließ und uns einen ganz neuen Zugang zu diesem Thema schaffte. Sie erzählte die Geschichte, wie sie 1943 mit drei Jahren ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde, wie sie überlebte und dass sie sich danach ein Leben in Polen aufgebaute. Ihre Geschichte verlieh uns Mut, ließ uns daran glauben, dass es eine Chance gibt auf ein Leben danach.
Auch der Besuch des Schindler Museums brachte viele neue Eindrücke mit sich und verdeutlichte das Leben in Krakau zur Zeit des Nationalsozialismus.

Die bedrückende Stimmung ließ in Krakau langsam von uns ab, denn wir lernten im Viertel Kazimierz, eine ganz andere Seite des jüdischen Lebens kennen.
Mit Hilfe einer Stadtrallye bannten wir uns unseren Weg durch die historischen Ecken von Krakau, bis wir zum Schluss in einem jüdischen Restaurant mit Live Musik landeten. Für uns alle war das ein sehr schöner und wichtiger Abschluss unserer Reise, die durch so viele neue Eindrücke geprägt ist.

Unsere Gruppe bedankt sich bei Frau Heidermann und Frau Voß, die uns auf unsere Reise vorbereitet haben und auch während der Reise immer ein guter Anlaufpunkt für Fragen und Redebedarf waren, sowie bei Herrn Hubert, unserem Schuleiter und dem Overather Bürgermeister Herrn Weigt, die uns begleitet haben und stets mit Unterstützung zur Seite standen.

Vor allem gilt unser Dank jedoch der Stätte der Begegnung e. V. aus Vlotho, denn sie ermöglichte uns die Reise an einen Ort, der unter keinen Umständen vergessen werden sollte. Wir alle nehmen viel von diesem Ort mit, Eindrücke, Gefühle, Bilder, doch vor allem die Gewissheit, dass wir alle dafür zuständig sind, dass die Geschichte sich nicht wiederholt.

Xenia Peter, Q1