Paul-Klee-Gymnasium Overath

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11.02.2020 Kategorie: Bericht

„Sommerhaus, später“ – packende Autorenlesung mit Judith Hermann

Literatur„unterricht“ einmal anders. Vorbereitet von Frau Düing-Bommes (Bibliotheksleitung) und Frau Albrecht (i.A. der Fachschaft Deutsch), fand mit Unterstützung des Fördervereins und der Fachschaft Deutsch am 06.02. 2020 ein besonderes Literaturevent am PKG statt.  

Viele Schüler/innen aus der Q1 und Q2 hatten sich bestimmt in der Vorbereitung auf die Autorenlesung schon gefragt: Wie wird Judith Hermann ihre Kurzgeschichte vortragen? Wer eine Inszenierung von „Sommerhaus, später“ erwartete, lag falsch. J. Hermann las ihre Geschichte so, wie sie geschrieben wurde - mit Raum für Assoziationen des Auditoriums.
Gespannt hörte das Publikum zu. Die Mehrheit der Anwesenden hatte die Kurzgeschichte bereits gelesen, sich im Unterricht damit auseinandergesetzt. So war das Interesse an Autorin und Werk sehr hoch. Wann hat man schon Gelegenheit, zeitgenössische Autoren zu abiturrelevanter Lektüre live zu erleben?

Judith Hermann beantwortete viele Fragen zum Werk und generell zu ihrer Arbeitsweise. Sie verriet, dass sie ihre Geschichten wie ein Kartenhaus sieht, das stabil stehen muss, dem sie aber bewusst Karten entzieht, die als Stützen nicht unbedingt notwendig sind. Auch beim Lesen veränderte / reduzierte sie den Wortlaut ihrer Geschichte. Dies ergibt sich u.a. aus der heutigen Sichtweise auf das bereits 1997 verfasste Buch.  

„Sommerhaus später“: reduzierte Erzählung, eine Sprache ohne Schnörkel, auf den Punkt gebracht, mit viel Freiraum für den Leser. „Es ist mein Buch“, so Judith Hermann „solange, bis ich es fertig habe. Dann gehört es dem Leser.“* Sie verweist explizit auf eine Vielzahl möglicher Interpretationsansätze - Symbolik von Farben, Namen, Pflanzen...
„Eine allgemeingültige, richtige Interpretation existiert nicht. Die Geschichte ist das, was sie mit dem Leser macht.“*  

Sind die Figuren um die erzählende Person - auch dies kann unterschiedlich gesehen werden - nach über 20 Jahren überhaupt relevant für Schülerinnen und Schüler? Ist die Berliner Lebenswelt der 90er-Jahre nicht zu weit entfernt?
Im Dialog mit dem Publikum kristallisiert sich heraus: Auf der Suche nach dem für sie Wahren sind die Figuren der Geschichte nahe an der Wirklichkeit der jungen Leser/innen, auch wenn Alter und Lebensumstände ganz anders sind.  

Beeindruckende Momente bei der Beantwortung der Fragen, noch beeindruckender die Wirkung auf die Schüler/innen: In Kursen, aber auch in kleinen privaten Runden waren die sympathische Autorin und „Sommerhaus, später“ noch Anlass zu mancher Diskussion.
Literatur at its best – Denkanstoß, Auseinandersetzung, Anregung zum Lesen!  

      Danke, Judith Hermann,
                für diese beeindruckende Literaturbegegnung!      

* ungefährer Wortlaut der Autorin